Tüss, Deutschland! – Kurz vor der Weltreise

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Bald. Wirklich bald heißt es: Tüss, Deutschland! Wir stehen kurz vor unserer Weltreise und am liebsten würde ich Euch mein Herz ausschütten… eigentlich dachte ich, mach ich das auch.

Dann habe ich mir die Frage gestellt: Was hättet Ihr davon?

Die ehrlich Antwort ist: Nicht so viel. Deswegen möchte ich diesen Blog-Beitrag nutzen, um Euch kurz darüber aufzuklären, in wie kurzer Zeit, wir was alles regeln mussten, was noch nicht geregelt ist und warum wir im ABSOLUTES CHAOS absolut cool bleiben können… mittlerweile, halbwegs 😀

Bevor wir nun wirklich: „Tüss, Deutschland!“, sagen, heißt es also erst mal:

Planlosigkeit Ahoy!

Das Geheimnis der besten Pläne ist häufig, dass Sie überhaupt keine sind und auch niemals welche waren.

Je näher die Reise rückt, umso mehr Kleinigkeiten finden wir, über die wir uns keine Gedanken gemacht haben. Manchmal geraten wir dann in die Versuchung, doch noch alles durchzuplanen oder abzustimmen, nur um festzustellen: Es wäre vergebens.

Wir können uns noch so sehr an einen Plan oder ein Konzept klammern. Ich glaube fest daran, dass uns das Leben auf Reisen eines Besseren belehren wird. Wir wissen nicht was kommt. Weder heute, noch morgen, noch sonst irgendwann.

Wir wissen nicht einmal, wann wir wohin reisen, was wir sehen, mit wem wir reden oder wo und wie wir auf Reisen leben wollen. Das ist einfach so. Die Antwort auf all die Fragen, die uns gestellt werden, ist in 90 Prozent der Fälle: „Keine Ahnung. Wir wissen es nicht.“

Und genau DAS fühlt sich gut an. Die Kontrolle abzugeben, das Leben passieren zu lassen und zu akzeptieren, was auch immer da auf uns zukommt.

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Auch beim Packen und Verkaufen haben wir ein wenig die Kontrolle verloren 😀

Seien wir mal ehrlich: Dieser kümmerliche Versuch unser Leben in der Spur halten und bestimmen zu wollen – Hat das jemals wirklich geklappt? Ist uns die Kontrolle am Ende nicht doch immer entglitten, egal wie sorgfältig und strukturiert wir waren? Egal wie fest wir uns an das Steuerrad klammern,  wenn der Ozean wild und eigensinnig tobt, driftet das Schiff trotzdem ab.

Warum also gegen den Strom anrudern, wenn wir uns treiben lassen können. Die letzten Jahre haben wir genug gerudert. Jetzt wird mit dem Wind gesegelt, auch wenn uns dieser vielleicht woanders hinträgt, als wir es uns vorgenommen haben.

Die Bottom Line ist:

Es hat sich noch nie so gut angefühlt, absolut planlos zu sein.

Die Chronologie des Chaos

Eine Sache wissen wir allerdings schon. 🙂

Wir starten am 10. April.

Das ist sicher.

Wohin es geht? Sag ich nicht.

…nein, wirklich. Sag ich nicht.

Seht ihr ja dann 😀

Aber ich erzähle Euch gerne, was bis jetzt passiert ist:

Wintersemester 2016/2017
Kathrin Studium neigt sich dem Ende zu. Ich lege zwölf Prüfungen innerhalb eines Semesters ab, um mein Studium endlich wieder in den Griff zu kriegen.
Anfang 2017
Weltreise? Ist das was für uns? Sollen wir das machen?
…wenige Minuten später
Klar, warum nicht
…wenige Tage später
Ich kotze. Ich hasse mein Berufsleben, aber liebe mein Studium.
April 2017
Kathrin beendet Ihr Studium, neben dem Vollzeit-Job
Mai 2017
Die Arbeitsbedingungen werden schlechter. Ich werfe den Job nach neun Jahren hin, starte mit Way of Pirate und hab keine Ahnung, wie es weitergeht 🤷‍♂
Juni 2017
Das erste Travel Festival: Bam! Wir treffen unsere Lieblings-Reise-Vlogger und sind inspiriert von den Menschen, denen wir begegnen und zuhören.
Juli 2017
Kein Job, kein Plan, kein Geld – mein (weniges) Erspartes hat sich fast halbiert. Ich schlag mich so durch, hab aber keinen Anspruch auf irgendetwas. Ich bin trotzdem glücklich und hab endlich Zeit für‘s Studium. Kathrin arbeitet weiterhin Vollzeit, träumt aber von mehr. Der Ruf der Reise wird stärker.
August 2017
Ich hab endlich einen Job gefunden und kann sofort anfangen!
Zwei Wochen später
Ich hab noch einen Job! Genau da, wo ich immer einen wollte und ich darf beide Jobs gleichzeitig machen. Bing-Bing-Bing! Jackpot! 🎰
September 2017
…aber erst mal fliegen wir für drei Wochen Road-Trip nach Kanada.
Oktober 2017
Wir sind zurück, mein Erspartes fast komplett verbraucht und ich trete meine beiden Arbeitsstellen an. Das letzte Semester startet für mich, ich recherchiere für meine Bachelor-Arbeit. Das zweite Travel Festival findet statt. Wieder: Bam! Nochmal eine dicke Packung Motivation für die Reise!
Irgendwo hier…
…fangen wir mit unseren Travel-Dates an. Kathrin und ich setzten uns regelmäßig zusammen und checken, was wir noch erledigen müssen, damit wir wirklich abreisen können. Wir beschließen kurz vor unserem Jahrestag abzureisen.
November 2017
Uns fällt auf, das echt nicht mehr so viel Zeit bis April ist. Ich zahle die Schulden zurück, die in den Monaten ohne Arbeit und Geld entstanden sind.
Dezember 2017
Kathrin kündigt ihre Vollzeitstelle. Konsequent. Sie will etwas anderes und Sabbatical oder unbezahlter Urlaub sind keine adäquate Lösung.
Eine Woche vor Jahresende
Ich fange an meine Bachelor-Arbeit zu schreiben.
Januar 2018
Zwischen Panik und Chaos. Kein Untermieter, Auto nicht verkauft, kein erstes Ziel und ich stelle fest: Ich bin echt kacke, wenn es ums Sparen geht… und war da nicht auch was mit Krankenversicherung?

Kathrin baut derweil Ihren Blog auf.

Februar 2018
In der ersten Woche zwei mal 48 Stunden wach und die Abschlussarbeit abgegeben, kurze Zeit später Kolloquium und die letzte Prüfung meines Studiums. Krankenversicherung gekündigt und Auslandskrankenversicherung abgeschlossen. Das erste Ziel steht und der Flug ist gebucht. Untermieter suchen wir noch und wegen dem Wagen…
März 2018
…jetzt hab ich das Inserat auch wirklich eingestellt. Der Wagen ist zwei Wochen später (so gut wie) verkauft. Wir haben die erste Unterkunft gebucht und verkaufen weiterhin unseren Kram. Als nächstes räumen wir unsere Bude aus. Es kribbelt, wir sind nervös und aufgeregt 😯

Wir bloggen und vloggen fleißig.

Womit ich – denke ich – anschaulich dargestellt habe, dass wir rund 90 Prozent aller wichtigen Dinge rund ein, zwei Monate vor unsere Reise umgesetzt haben oder angegangen sind…

Naja, wird schon. Pirat und so.

Was wir nicht alles müssen… 🤔

Neben den klassischen Fragen:

  • Was macht Ihr mit Eurem Job?
  • Wo geht es hin?
  • Habt Ihr eine Route?
  • Wie macht Ihr das mit der Wohnung?
  • Wie macht Ihr das mit dem Geld?

– hören wir von der einen oder anderen Seite auch ganz andere Töne.

So Dinge wie:

  • Ihr müsst doch irgendwas planen!
  • Ihr müsst doch zumindest grob wissen, wo es überall hingeht!
  • Ihr müsst doch wissen, wann Ihr zurück kommt!
  • Ihr müsst doch vorsichtig sein!

Oder weitere Regeln a lá:

  • Ihr könnt ja nicht überall arbeiten…
  • Ihr könnt ja nicht überall hin…
  • Ihr könnt ja nicht immer spontan sein…
  • Ihr könnt ja nicht ewig wegbleiben…

Ach, ist das so?

Schon seltsam, was wir alles müssen und was wir alles nicht können.

Freunde, wenn jemand von Euch so oder so ähnlich denkt oder solche Dinge sogar ausspricht – auch, wenn Ihr es gut meint – lasst mich bitte kurz festhalten:

I don’t care.

Ehrlich.

Less fucks have been given.

Auf dieser Reise entscheiden exakt zwei Menschen, was geht und was nicht geht und das sind wir, Kathrin und ich.

Das ist ein weiterer Grund für diese Reise: Selbst entscheiden zu können und selbst entscheiden zu dürfen, was gut und schlecht, was richtig und falsch ist, was wir nicht brauchen und was wir wirklich wollen.

Unser Gefühl sagt uns:

Wir müssen hier raus, um uns bestmöglich zu entwickeln und zu entfalten.

Wir können, wir wollen und wir werden.

 „Ich wollte das auch immer mal machen“

Falls jemand jetzt etwas böses ahnt: Keine Angst.

No hate für die Ich-wollte-das-auch-immer-mal-machen-Fraktion. Die Menschen, die das sagen, haben den Traum zwar mehrmals begraben. Aber irgendwas hält ihn ja noch am Leben, denn sie reden darüber.

Das ist gut.

In den letzten Wochen ist außerdem etwas Spannendes passiert. Immer wenn ich über die anstehende Reise gesprochen habe, würden viele meiner Gesprächspartner plötzlich ganz offen. Binnen weniger Minuten sprachen wir über Träume, prägende Erfahrungen, Lebensziele und Wünsche. Rationalität und Realität wichen für einige Zeit und wir bewegten uns in dieser kleinen Welt – in unseren Köpfen – wo alles möglich ist.

Traurig finde ich nur, dass wir am Ende dieser Gespräche meist an derselben Stelle landeten.

Unsere Wege trennten sich, die Realität holte uns ein und während sich der Gesprächspartner dem Alltag ergibt, bin ich gerade dabei mich zusammen mit Kathrin ins Abenteuer zu stürzen. Einige der Menschen, mit denen ich spreche, sind einfach zufrieden mit dem was sie haben. Das bewundere ich. Aber bei vielen Menschen, Freunden und Bekannten spüre ich förmlich wie alles in ihnen tobt, rebelliert und ruft: „Ich will, ich will, ich will!“, sie aber nur so etwas aussprechen wie: „Ja, das wäre schön, aber…“

…fuck.

Das tut weh.

Mehr Träumer und Piraten

Es tu wirklich weh. Jedes Mal auf’s Neue und ich meine das absolut ernst. Es schmerzt mich Menschen, mit so viel Energie, so viel Power, mit Idealen, Ideen, Visionen und Träumen einfach aufgeben zu sehen.

Aufgeben für das Richtige, für kluge Entscheidungen, für die Karriere, für ein Leben…

Aber ist es wirklich das, was Du willst? Ein Leben? Irgendein Leben?

Nicht das Leben?

 Ich weiß, dass klingt immer einfach:

Nur einen Schritt zu gehen. Den Schritt hin zum Traum und weg von den Zwängen und Konventionen.

Die Wahrheit ist, dass dieser erste Schritt, der Schwerste ist. Das erfordert viel Überwindung, viel Selbstvertrauen und generell: Vertrauen ins Leben. Danach folgen viele weitere schwere Schritte, die es am Ende alle wert sind – Die gleichzeitig aber auch wertlos sind, wenn Du nicht absolut davon überzeugt bist, dass Du das Richtige tust.

Für mich selbst gibt es viele Gründe diese Reise anzutreten.

Und wenn ich mit dem, was ich tue auch nur einem einzigen Menschen der zweifelt, beweisen kann, dass sie oder er ihren oder seinen Traum verwirklich kann – einfach in dem wir uns trauen, einfach indem wir Vertrauen haben – Dann ist das meine größte Motivation.

Mehr Träumer und Piraten auf der Welt.

Dafür setze ich die Segel und ziehe los.

Tüss, Deutschland. Let’s be Pirates.

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