Was unterscheidet die Kanada-Tipps von unseren Erfahrungen?

Unsere Erfahrungen sind die Dinge, die wir vor Ort erfahren und gelernt haben. Die Tipps sind, was wir uns hätten denken können. Haben wir aber nicht, deswegen möchte ich ein paar Sachen mit Euch durchgehen.

Ob ihr’s braucht oder nicht, entscheidet Ihr. 😉

Fang oben an oder sucht Euch euer Thema aus:

Zeitplanung – Wie viel bleibt uns noch?

Die Antwort auf die Frage: „Wie viel Zeit bleibt uns noch?“, muss nicht immer: „Zu wenig“, sein. Wenn Ihr Euch im Rahmen eurer Reise an einen festen Zeitraum haltet, könnt ihr auch zu schnell werden.

Auspacken, schlafen, einpacken, weiterfahren. Das Spießertum der Nomaden. Auch das kann zur Routine werden. Ich finde das nicht gut. Denn dabei geht etwas verloren.

Wenn Ihr gehetzt reist, seid ihr im Kopf immer wo anders und wenig später dann auch körperlich. Wozu die Eile, wenn Ihr noch ein bisschen länger genießen könntet, was Ihr gerade erst entdeckt habt.

Was helfen kann: Checkt regelmäßig Eure zurückgelegte und verbleibende Route. Dann behaltet Ihr einen Überblick. Einerseits wisst Ihr wie viel Zeit vergangen ist, andererseits wie viel Zeit noch bleibt. Ich war zwischenzeitlich an einem Punkt an dem ich dachte, dass es eng wird. Kurz nachgerechnet und festgestellt:

Wir hatten mehr als genug Zeit.

Wenn Ihr längerfristig reist, ist das nicht zwingend ein Thema für Euch. Andererseits kann die Zeitplanung mit der Budgetplanung zusammenhängen. Ab und zu mal den Zeit- und Kontostand checken, kann ja nicht schaden.

Internet – WLAN das Wifi heißt

Internet gibt es überall. Überall in unserer Welt. Für uns sind WLAN und Mobile Daten eine Selbstverständlichkeit. In Kanadas Großstädten ist das nicht anders. Aber zwischen Vancouver und Calgary gab es keine Großstadt.

Es gab zwar immer wieder WLAN-Netzwerke, aber die waren meist kostenpflichtig oder nur gegen Gebühr nutzbar. Auf Campgrounds gab es kein Internet. Zumindest auf keinem der Campgrounds in denen wir uns niedergelassen hatten. Teilweise gab es dort nicht mal ein Telefonnetz. Warum auch? Ist ja Natur.

Wie es mit Mobilen Daten in Kanada aussieht, wissen wir nicht. Wir haben entschieden, dass wir drei Wochen ohne auskommen. Eventuell hätten wir uns doch eine SIM-Karte zulegen sollen, denn das Internet unterwegs kann rar sein. Neben dem Wifi in diversen Fastfood-Ketten und Kneipen, in denen Ihr vielleicht nicht über einen halben Tag hinweg Internet schnorren möchtet, gibt es eine Alternative:

Meist hat die lokale Stadtbibliothek kostenfreies Internet. Teilweise funktioniert das besser und schneller als andere öffentliche Netzwerke.

Lokales Preisniveau recherchieren – Oh, das aber teuer hier…

„Diesmal fahren wir ohne Plan.“

Und wir gucken vorher auch nichts nach… Was romantisch klingt und aufregend ist, war in Kanada vielleicht nicht die klügste Entscheidung. Das Preisniveau in den einzelnen Orten kann stark schwanken. Während Ihr in einem Ort für 70 Kanadische Dollar super unterkommt, zahlt Ihr einen Ort weiter 50 Taler oben drauf. Für weniger kriegt Ihr nichts und ein Campground ist auch nicht in der Nähe.

Folgender Gedanke liegt nahe: „Dann fahren wir eben einen Ort weiter.“

Ja, haha. Klar doch, aber das hier ist Kanada. Der nächste Ort liegt unter Umständen eine Stunde entfernt, zurück, noch weiter weg oder ist noch teurer. In unserem Fall dämmerte es in der Regel, wenn wir ankamen. Im Dunkeln und zu später Stunde suchen, macht die Sache nicht einfacher.

„Hätten wir das vorher gewusst“

Beim ersten Mal war es noch lustig. Aber wenn es mehrmals passiert, zehrt das langsam am Budget. Dabei lässt sich das Preisniveau relativ einfach über‘s Internet checken, unterwegs im Restaurant oder in der aktuellen Unterkunft. Wir waren am Anfang vielleicht etwas zur stolz im Hinblick auf Freiheit und Flexibilität. War trotzdem eine Erfahrung wert und hat uns ein paar nette Geschichten beschert. 😀

Wenn Ihr mit einem Camper reist, gilt übrigens ähnliches. Die Stellplätze sind unterschiedlich teuer und mit Internet auf Campgrounds braucht Ihr, zumindest unserer Erfahrung nach, nicht rechnen.  😅

Ruhig mal vorbuchen – Spontan, flexibel und keine Wahl

Ich hab ja schon erklärt, dass wir im Abenteuer-Modus waren.

„Wir gucken einfach mal.“

Wir haben uns oft dusselig gefreut über Schnäppchen. Manchmal haben wir aber einfach nur doof geguckt.

No Vacancy

Keine freie Unterkunft. An der nächsten Unterkunft: No Vacancy. An der danach: No Vacancy.

Was zur…?

No Vacancy, No Vacancy, No Vacancy.

Kann passieren in Kanada. Ich nennen das für mich selbst, das Island-Prinzip.

Die Leute behaupten von Island es wäre überlaufen. Die Dörfer in Island haben teilweise weniger als 100 Einwohner. Wenn dort ein vollbesetzter Reisebus parken würde, käme auf fast jeden zweiten Einwohner ein Tourist.

Jetzt gibt es in Island durchaus größere Städte mit 1.000 Einwohner. Für unsere Verhältnisse ist das trotzdem winzig. In Deutschland haben wir eine Bevölkerungsdichte von rund 230 Einwohnern pro Quadratkilometer. In Island sind es 3,3. Und in Kanada?

Haltet Euch fest: In Kanada sind es 3,6 Einwohner pro Quadratkilometer.

Das bedeutet: Es gibt nicht so viele frei Zimmer und Unterkünfte, wie wir es gewohnt sind.

Wenn Ihr nicht auf einen Campingplatz ausweichen oder notgedrungen draufzahlen möchtet, bucht ruhig mal ein paar Tage vorher. Wir haben es teilweise ein, zwei Tage vorher versucht und bereits nichts mehr gefunden. Ab und an hat ein Bed&Breakfast trotzdem was frei. Jedenfalls würde ich das für die Hauptsaison behaupten. In der Nebensaison ist vielleicht mehr frei, da ist es anderersetis vermutlich zu klat zum campen. 

Alternativ könnt Ihr natürlich auf einem Parkplatz im Auto schlafen. Seid Euch bitte nur bewusst, dass die meisten Parkplätze for day use only sind. Das bedeutet no overnight parking.

Die Entscheidung liegt hier also, wie so oft, bei Euch. 😉

Wetter nicht unterschätzen – So kalt wird’s schon nicht

schnee wetter kanada guide

Und plötzlich war da Schnee.

Es kann nicht nur kalt, sondern auch ganz schön warm werden. Und wenn es nass wird, kann es richtig nass werden. Provisorische Ponchos, Leggings und stylische Sneaker, statt Regenjacke, Jeans und festem Schuhwerk, können Euch den Tag vermiesen.

Ich sag ja nicht, dass Ihr aussehen müsst, als wärt ihr durch das letzte Jack-Wolfskin-Outlet gekullert. Aber ein bisschen Funktionskleidung ist schon sinnvoll, Kinnas. ☝

Kanada ist nicht der Nordpol. Aber es ist nun mal Kanada. Wenn es dort Kalt wird, ist es wirklich kalt und Regen bedeutet häufig mehr als ein paar Tropfen. Ich spreche in den Vlogs von Minusgraden im einstelligen Bereich. Tatsächlich fande ich fünf Grad plus schon kalt.

Wenn selbst die Kanadier sagen, dass ihnen kalt ist – finde ich – darf uns Mitteleuropäern auch kalt sein.

Nehmt sinnvolle Kleidung mit. Die Regenjacken und Wanderschuhe haben uns mehrmals vor trauriger Mine und unnötiger Wetterqual gerettet. Eine dickere Jacke hätte trotzdem nicht schaden können.

Benzinverbrauch abschätzen – Tankt solange Ihr noch könnt 

Ihr werdet in Kanada auf Schilder treffen, die euch warnen: Next Service …, und dann folgt eine dreistellige Zahl. Da können einhundert, aber auch zwei-, drei- oder vierhundert und ein paar weitere Kilometer draufstehen.

Tankt rechtzeitig. Versucht nicht unnötig mit der letzten Pfütze Benzin ins Ziel zu kommen. Wenn da steht „Next Service 327 km“, dann kommt zwischendurch nichts. Nur Natur.

That’s Canada, I guess.🤔

Hikes, Trails und verpasste Chancen – Wie weit ist es noch?

Mal eben da hoch wandern, ist nich! Quatsch, spaß. Keine Angst. Ihr kommt überall hoch.

Einige Trials sind eher Wanderrouten. Andere Hikes solltet Ihr nicht unterschätzen. Wenn die Schätzungen und Schilder sagen, dass es zwei, drei Stunden oder länger dauert, kann das durchaus stimmen. Nehmt also mehr als nur gute Laune mit. Wir hatten immer genug Wasser aber leider zu wenig zu Essen dabei. Ein Bier, um den erfolgreichen Aufstieg zu feiern, finde ich übrigens auch nicht verkehrt. 🍻

500 Höhenmeter oder mehr können ordentlich in die Beine gehen. Wenn Ihr Profiwanderer seid, ist das vielleicht kein Thema. Ich bin sportlich und hatte trotzdem meine Probleme. Keine Unüberwindbaren, aber ich bin die langen Trails nicht einfach hochspaziert. Da gehörte schon etwas Mühe zu.

Vancouver Island Trail kanada guide

Wir wären fast umgedreht als eine halbe Stunde nichts „spannendes“ kam. Sind wir zum Glück nicht.

Das wichtigste, was ich Euch auf den Weg mitgeben möchte ist: Lauft den Trail immer bis zum Ende.

Es lohnt sich.

Wir haben sowohl auf dem Sulphur Skyline Trail als auch auf dem Hike zum Sentinal Pass viele Leute gesehen, die auf der ersten Etappe umgekehrt sind. In diesen beiden Fällen, war der zweite Teil des Weges deutlich kürzer aber auch steiler und etwas beschwerlicher. Der Ausblick am Ende der Trails war mit den ersten Stufen allerdings nicht zu vergleichen.

Also: Nicht aufgeben. Zähne zusammenbeißen und durchziehen.

Ihr schafft das!

Snacks für Unterwegs – Und wenn’s nur Bier ist

Wir haben in Kanada sehr unregelmäßig gegessen. Frühstück haben wir immer geschafft. Danach wurde es dann knifflig. Jeder Tag verlief etwas anders, die Strecke war ja auch anders. Wir wussten eigentlich nie, wann der nächste Supermarkt oder ein Restaurant kommt.

Running Gag:

„Wir nehmen einfach das nächste Restaurant, dass wir sehen.“

„Das da?“

„Ne, das danach.“

… und sie fuhren weiter und weiter, sahen Wälder, Berge und Bären, aber kein Restaurant.

 Packt Euch was zu futtern ein. Brote oder Bagels sind immer eine gute Idee. Zur Not gehen auch Kekse, Gebäck und Bier. Nur vielleicht nicht ganz so viel von dem Letzten, zumindest wenn Ihr der Fahrer seid. 😉

Hitchhiking – Aber, aber… wir wollten doch!

Wir verlassen Vancouver mit dem Mietwagen. Der Roadtrip geht looohooos! First Stop: Vancouver Island! Kathrin fragt:

“Hitchhiken wir eigentlich auch mal, wenn wir ohne Auto unterwegs sind?“

Ich drucks herum, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich wirklich per Anhalter bei Fremden mitfahren will. Würde ich,aber… Das Thema hat sich schnell erledigt.

Eines der ersten Schilder, dass wir auf dem Highway auf Vancouver Island gesehen haben, schrieb:

No Hitch-Hiking

Pickup is illegal

Und nicht nur dort, sondern auch an vielen andern Highways. Wie ernst die Kanadier und die kanadische Polizei diese Regelung nehmen, weiß ich nicht. Wir haben hier und da ein paar Leute gesehen, die aufgesammelt wurden und selbst ein Pärchen für ein kurze Strecke mitgenommen.

Wenn Ihr trampen wollt, kann Euch niemand gewaltsam abhalten. Seid Euch trotzdem bewusst, dass Hitch-Hiking offenbar nicht überall gern gesehen ist. Zumindest nicht offiziell.

Campfire Ban – Wie kein Feuer?

Endlich campen! Lagerfeuer machen und die Feuerpfanne testen!

So war zumindest die Idee. Zu unserer Reisezeit wüteten in West-Kanadas noch einige Waldbrände. In einigen Gebieten fiel in einer Zeit, in der es mindestens einmal am Tag regnen sollte, seit fast einem Monat kein Tropfen mehr vom Himmel.

Campfire Ban bedeutet, dass keine offenen Feuer erlaubt sind. Auch keine Lagerfeuer. Sogar rauchen  wird staatlich eingeschränkt. Esbit- oder Gaskocher können trotzdem genutzt werden. Falls also Campfire Ban gelten sollte, tut Ihr gut daran, nicht nur für Grill-Abende zu planen. 🙂

TOP-Places – Fahrt hier hin!

Kanada war umwerfend. Ein paar Orten, fanden wir besonders schön, besonders geil oder besonders besonders.

Nehmt die folgenden Ort gerne als Liste oder schaut Euch die verlinkten Vlogs an, wenn Ihr mehr als nur Bilder sehen wollt. 😉

Vancouver

Was für eine Stadt. Eine Riesenmetropole mit mächtigen Hochhäusern und umgeben vom Ozean und Wäldern. So eine Mischung aus Großstadt und Natur kannte ich bis zu unserem Besuch hier nicht.

Telegraph Cove

Der magische Ort an dem wir Wale in freier Wildbahn beobachteten. Ein winziges Örtchen auf Vancouver Island, weit weg von Stadt und Trubel. Das eigentliche Highlight ist die Landschaft vor der Küste.

Sulphur Skyline

Unser erster richtiger Hike in Kanada. More than worth it! Nicht nur der Ausblick war Phänomenal, auch die Erholungen in den heißen Quellen am Fuße des Berges war genau richtig.

Dawson Falls und Bailey’s Chute

In Wells Grey gibt es viele andere Wasserfälle. Beispielsweise die Helmcken Falls. Außer den berühmten Fällen gibt es noch viele weitere. Wir haben uns beispielsweise ein wenig in die Dawson Falls verliebt. Auch schön (nur von Juli bis August): Der Kampf am Bailey’s Chute: Springender Lachse vs Die Strömung!

Icefield Parkway

Wahrscheinlich der atemraubendste Highway der Welt. Kreuzt die Finger für Sonnenwetter und fahrt hier hin. Kanada ist überall schön. Hier ist Kanada noch schöner.

Emerald Lake

Hier war Kanu-Fahren am günstigsten. 60 Dollar pro Person. Aber das war nicht ausschlaggebend. Emerald Lake war selbst bei grauem Wolkenwetter wunderschön. Und eben einzigartig in seiner Farbe: Zwischen blasser Jade und schimmerndem Smaragdgrün.

Moraine Lage und Sentinel Pass

Hier habe ich den eindrucksvollsten und schönsten Tag unserer Reise erlebt. Mehr sage ich nicht. Entscheidet selbst, ob Euch dieser See in seinen Bann zieht und ob der Trails Euch den Weg durch den Schnee wert wäre.

Was übersehen?

Hier geht’s weiter zu den den Erfahrungen und hier zur Route. Oder suchst Du die Packliste?

Noch Fragen? Dann schreibt mir.