Besser subjektiv informiert als objektiv Ahnungslos. So sehe ich das. Statt es allgemein zu halten, gebe ich Euch lieber persönliche Erfahrungen und Eindrücke von unserem Kanada-Roadtrip.

Kann ja nur helfen.

Und wenn nicht?

Naja. Schaden kann es auch nicht. 😁

Also, los geht´s. Fangt oben an oder sucht Euch die Punkt raus, die Euch interessieren.

Menschen – The Canadian

Nennt mich euhig spießig– kack egal – ich liebe die Freundlichkeit und Umgangsarten der Menschen in englischsprachigen Ländern. In Kanada sind die Leute so zuvorkommend, wie ich es sonst nur aus England, Schottland und Irland kenne.

Wundert Euch nicht, wenn Ihr 30 Mal am Tag mit einem Lächeln gefragt werdet, wie es Euch geht. Oder, wenn Ihr von der Seite angequatscht und in einen Plausch verstrickt werden. Wenn jemand im Weg steht, entschuldigt er sich. Wenn Ihr jemandem behilflich seid, wird er sich bedanken.

Alles ganz normal und selbstverständlich? Manche werden unter Umständen feststellen, dass sie selbst mit Bitte und Danke etwas hinterherhinken. Das kann passieren, wenn Ihr diese Art der Höflichkeit nicht gewohnt seid. War zumindest bei mir so.

Und wenn Ihr Fragen habt oder Hilfe braucht? Ihr könnt‘s Euch denken. Die Menschen helfen in der Regel gerne, auch wenn Sie nicht im Visitors Center arbeiten. Manchmal reicht ein hilfloser Blick statt einer Frage, damit Euch der erste Kanadier fragt: „Are you looking for something? Can I help?“

David, unser Host aus unserer ersten Unterkunft in Vancouver hat es folgendermaßen ausgedrückt: „Die Kanadier sind so freundlich und ehrlich, wenn ich meine Brieftasche auf einer Party verlieren würde, bekäme ich sie wahrscheinlich am nächsten Tag zurück. Und zwar mit allem was drin war, auch dem Geld.“

Ihr könnt natürlich auf Euren persönlichen Umgangsarten beharren. Dann werdet Ihr vermutlich aber auch weniger freundlich behandelt werden. Ich sage nicht, dass irgendwer von Euch unfreundlich ist. Wir haben in Deutschland nur ein etwas anderes Verständnis von Höflichkeit.

Andere Länder, andere Sitten. Wir wollen ja auch immer, dass sich die Anderen bei uns brav benehmen.☝

Preisniveau – Wie teuer ist Kanada?

Kanada ist nicht Asien. Auch nicht Südamerika. Kanada ist ein modernes westliches Land mit entsprechendem Preisniveau.

Oder kurz: Kanada kann teuer sein.

Wir kamen (ohne Flug) über drei Wochen pro Person mit circa 1.000 Euro aus. Das schließt Unterkünfte, Mietwagen, Verpflegung, Tank und alles weitere ein, beispielsweise auch die Wal-Tour. Damit haben wir fast günstiger als Zuhause in Deutschland gelebt.

Der Benzinpreis lag während wir da waren (September/Oktober 2017) bei circa 1,30 Kanadischen Dollar. Das ist für uns kein ganzer Euro.

Nicht verwechseln mit Amerikanischen Dollar. 😉

Verpflegung ist gefühlt etwas teurer, aber nicht unbezahlbar. Uns ist erst später aufgefallen, dass sich die Angebote in den Supermärkten oft wirklich lohnen. Wir haben Angebote gefunden, bei denen wir beispielsweise drei Konserven zum Preis von einer kaufen konnten.

Manchmal stellt sich allerdings die Frage nach der sinnvollen Menge. Macht es beispielsweise Sinn zu zweit mit drei Broten bei 28 Grad durch die Gegend zu ziehen? Oder verschimmelt der Toast noch bevor wir ihn aufgegessen haben?

Restaurants sind grundsätzlich etwas teurer. Den Grund hierfür findet Ihr im nächsten Punkt beschrieben.

Worauf Ihr noch vorbereitet sein solltet: Das Bier ist MEGA lecker, aber Alkohol generell sehr teuer.

Achso, fast vergessen: Denkt an die Steuern! In Kanada werden die Preise in der Regel ohne Steuer angegeben. Einfach circa zehn Prozent – in Restaurants zehn Prozent plus Trinkgeld – drauf rechnen und dann habt Ihr’s. 😉

Verpflegung – Futter, noch mehr Essen und Süßigkeiten

In a Nutshell? Fastfood.

Das Essen war überall lecker und die Portionen waren mir persönlich oft zu groß. Bin ja auch ein kleiner Mennschen. Anyway: Irgendwann konnte ich keine Burger und Pommes mehr sehen.

Die Alternative: Japanisch, Koreanisch oder chinesisches Essen – Das kann dann allerdings etwas teurer zu Buche schlagen. Meine Sparlösung war oft Poutine. Nicht besonders gesund oder nahrhaft, aber meist ein Schnapper. Trotzdem wieder Fastfood. 🙄

In den Supermärkten gibt es alles was wir Europäer brauchen. Wenn Ihr auf Restaurants verzichten könnt, deckt Euch mit Brot, Käse, Aufschnitt, Müsli, Granola und Früchten ein. Das ist eine nette Abwechslung zum Fastfood und spart eine Menge Geld. Wer campt, kann außerdem grillen, braten und kochen.

Falls Campfire Ban gilt, gibt es zur Not noch Konserven, die Ihr in einem Kocher erwärmen könnt.

Und die Süßigkeiten? Freunde, legt Euch ein extra Sparschwein nur für die Zucker-Schweinerein an. Diabetiker, brace yourself. Diäter, schaut lieber weg.

Für den Rest: Welcome to heaven!

Mengen – Zu viel gibt’s nicht

Da haben wir nie drüber nachgedacht. Sind die Mengenverhältnis in anderen Ländern anders?

Ja… sind sie. In Kanada war es beispielsweise schwierig Joghurt für unser Müsli zu finden. Also es gab genug. Nur halt in der Regel mindestens ein Liter. Ähnlich war es mit Butter oder Käse. Wir wollten nur ein paar Scheiben und nicht gleich einen Kilo.

Das gleiche in Restaurants. Das Essen kam mir teuer vor. Das hat sich bei den Portionen schnell relativiert. Es gab einfach nur sehr selten kleine Portionen und entsprechend selten gab es in Restaurants – verglichen mit Deutschland – günstiges Essen.

Große Portionen kosten eben mehr Geld. Von daher sind die Restaurant- und Supermarktpreise nur relativ teuer.

Wasser – Verdursten schwer gemacht

Wasser gibt es in Kanada gefühlt überall. Damit meine ich nicht nur den Ozean, Wasserfälle und Gletscherseen. Ich spreche von Trinkwasser.

Am Flughafen? Trinkwasserspender.  Wartezone für die Fähre? Trinkwasserspender. Mitten in der Stadt? Trinkwasserspender. Ihr versteht schon.

Ein Problem habt Ihr nur, wenn Ihr sprudelverwöhnt seid. Industriell abgefülltes Wasser kostet deutlich mehr als bei uns. Wir haben uns – mit Blick auf’s Camping – einen Wassercontainer gekauft. Den könnt Ihr entweder in Supermärkten oder auf den Campgrounds an den Trinkwasserstellen auffüllen.

Leitungswasser könnt Ihr auch trinken. Schmeckt manchmal etwas nach Chlor, ist aber im Normalfall nicht schädlich. Nur beim Camping würde ich aufpassen. Das Dusch- und Spülwasser ist nicht immer Trinkwasser.

Alles in allem lässt sich sagen:  Verdursten ist in Kanada nicht ganz so einfach.

PS: Wer Angst vor Elektrolyte-Mangel hat, kann sich die entsprechenden Ergänzungs-Getränke reinhauen. Ich bin der Meinung, dass über eine halbwegs ausgewogene Nahrung auch wieder genug Mikro- und Makronährstoffe zugeführt werden. Wir hatten jedenfalls keine Mangelerscheinungen.

Wetter (Oktober bis September)  – Alles dabei

Wasser hat in Kanada viele Formen. Außer zahlreichen Wasserstellen und natürlichen Gewässern gibt es auch Regen und andere Niederschläge. Zumindest manchmal.

Wir hatten in unserer Zeit und auf unserem Weg so ziemlich alles gehabt. Von wolkenlosem Himmel bei 30 Grad bis hin zum Schneefall und -5 Grad Celsius.

Dicke Jacken haben wir nicht eingepackt. Stattdessen haben wir auf Regenjacken und Zwiebel-Prinzip gesetzt. Hat mehr oder weniger funktioniert. Eine etwas dickere Jacke wäre trotzdem nicht verkehrt gewesen. Wasserdicht sollte das gute Stück trotzdem sein.

Fortbewegung, Verkehr und Orientierung – easy

Nie war Autofahren so entspannt, wie in Kanada. Keine Drängler, kein Aggro-Hupen und keine gestikulierenden Hinter- oder Vordermänner.  Zumindest wenig. Und wenn, dann vermutlich Europäer, habe ich mir eingeredet.

Da sind wir direkt beim Thema. Denn ohne eigenen Wagen oder Camper-Van (RV  = Recreational Vehicle) könnte Reisen in Kanada schwierig werden. Ihr könnt natürlich einen Reisebus nehmen. Dann seid Ihr allerdings nur so flexibel, wie der Fahrplan. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt Ihr, meiner Meinung nach, nicht weit. Die Nationalparks und viele, viele Sehenswürdigkeiten liegen entlegen oder auf dem Weg. Nehmt Euch lieber ein eigenes Gefährt, dann könnt Ihr anhalten und losfahren wo und wann Ihr wollt.

Ihr wollt trampen? Zu dem Thema gibt es mehr bei den Kanada-Tipps.

auto kanada-guide

Autofahren in Kanada? Easy peasy.

Was die Orientierung angeht: Ein Navi ist nicht verkehrt. Allerdings ist Kanada so gut ausgeschildert, dass es – zumindest auf Hauptstraßen – fast unmöglich ist sich zu verfahren. Selbst auf den kleineren Straßen war alles gut ausgeschildert. Die Distanzen sind anders. Manchmal findet Ihr auf einer kleineren Straße zwanzig Minuten oder länger kein neues Richtungsschild. Wenn aber keine andere Straße kommt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Ihr trotzdem auf dem richtigen Weg seid.

Ansonsten beim Mietwagen oder Camper einfach darauf achten, dass die Navigation included ist.

Hotels & Motels – und Hostels!

Ich hab den unterschied bis heute nicht ganz verstanden. Manchmal stand an dem Schild Inn und manchmal Motel, gefühlt war das Angebot dasselbe. Die Preise können je nach Gegend stark variieren. Wir haben zwischen 70 und 135 Kanadische Doller für eine Nacht bezahlt. Mehr geht natürlich immer, aber günstiger ging es nur auf Campgrounds.

Lasst Euch nicht von dem äußeren der Motels abschrecken. Was nach Baracke aussieht, kann durchaus geräumig und komfortabel sein. Es kann auch durchschnittlich sein. Wir hatten jedenfalls keine wirklich eklige oder schlechte Unterkunft. Nur das Frühstück im Hidaway Inn (Port McNeil) hätten wir uns sparen können. :-\

Hostels gibt es immer mal wieder aber nicht zwingend überall. Zu unserer Überraschung sind Hostels nicht zwingend günstig(er).

Zum Vergleich: 110 Dollar für ein Doppelzimmer im Motel (mit Kaffemaschine, Kühlschrank, Mikrowelle und Fernseher) sind durchaus realistisch, dort wo wir unterwegs waren. Das günstigere Hostel hat für uns 50 Dollar gekostet. Wir hatten zwar auch Kaffe, Kühlschrank und Küche, allerdings ein Vier- bis Acht-Mann-Zimmer und pro Person gezahlt (also rund 100 Kanadische Dollar).

Ob das den Preisunterschied wer ist muss jeder selbst entscheiden.

Camping – Zelt statt viel Geld

Camping ist nicht besonders kompliziert. Geht nur nicht davon aus, dass Ihr irgendwo ein Zelt flexibel leihen und woanders wieder abgeben könnt. Wenn Ihr im Auto schlafen wollt, hat damit allerdings niemand ein Problem.

An manchen Campingplätzen checkt Ihr nicht vorn am Schalter ein sondern mittels Self-Registration. Am Eingang des Campgrounds könnt Ihr ein Zettel ziehen, ausfüllen, an den Pfahl eures Plätzchens heften, Briefumschlag mit Geld an dem entsprechenden Kasten einwerfen und dann kommt jemand vom Park-Personal und bestätigt Eure Bleibe. Hört sich etwas komisch an, ist aber super einfach und wir hatten absolut keine Probleme.

camping feuer kanada guide

Der einzige Tag an dem wir Feuer machen durften. Mehr zum Campfire Ban erfahrt Ihr bei den Kanada-Tipps.

Zum Camping bei Minusgraden kann ich nicht viel sagen. Nur, dass ich damit nicht so gut klar kam. Da muss ich noch etwas an meinen Camping-Fertigkeiten arbeiten. Falls Ihr wissen möchtet, was wir für’s Campen dabei hatten und was wir genutzt haben, schaut mal bei unserem Zeug rein.

Tiere – Respekt und gesunder Menschenverstand

Ja, es gibt sie. Und ja, es gibt sie überall. Bären, Hirsche, Elche, Rehe und noch andere Tiere. Ihr könnt sie sehen, ihr könnt sie fotografieren, aber bitte, bitte, BITTE!

Haltet Abstand und vertraut auf gesunden Menschenverstand. Das sind wilde Tiere, die entweder kaum oder keine Menschen kennen oder sie sind an Menschen gewöhnt. Beides kann gefährlich sein und bedeutet, wenn Ihr den Guten zu lange zu nahe kommt, werden sie reagieren. Die Frage ist, ob Ihr damit umgehen könnt, wenn der Bär plötzlich kuscheln oder der Elch Euch auf die Hörnern nehmen will.

Ihr seid keine Pokémon-Meister. Bleibt bitte weit genug weg und genießt den raren Anblick. Versucht nicht die Tiere zu rufen, zu animieren oder für ein gutes Selfie zu positionieren. Ihr würdet doch auch nicht wollen, dass jemand in Eurem Vorgraten rumhampelt, nur damit Ihr einmal guckt und er Schnappschüssen von Euch machen kann.

Ich weiß, dass ist nicht einfach und ich kam selbst in Versuchung. Schaut lieber mit Euren eigenen Augen, statt nur durch die Linse, auf das Spektakel vor Euch. Brennt Euch den Gedanken ein. Die Fotos zeigt Ihr vielleicht noch ein, zwei Mal Zuhause. Die Erinnerung tragt ihr im besten Falle für immer bei Euch.

Trotzdem ein kleiner Tipp für’s Wild-Life-Watching: Wenn Ihr mehrere Autos Parken und Menschen in die Ferne starren seht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Tier in der Nähe ist.

Touristen – überall, nirgendwo und sehr oft deutsch

Meiner Meinung nach gibt es zwei Einstellung von deutschen Reisen zu deutschen Touristen.

Die einen freuen sich über jeden Deutschen, den Sie treffen und sind dankbar, wenn Sie nicht auf Ihre Englisch-Kenntnisse zurückgreifen müssen. Die anderen freuen sich darauf eine andere Sprache zu sprechen oder sich anderweitig zu verständigen und eine andere Kultur kennenzulernen. Diese zweite Kategorie freut sich zwar auch über deutsche Reisebekanntschaften, kann aber durchaus drauf verzichten.

Wenn Ihr zur zweiten Kategorie gehört, stellt Euch drauf ein: Die Deutschen sind überall. Wir haben Amerikaner, Asiaten, Australier, Franzosen und andere Kanadier auf unserem Roadtrip getroffen. Aber nicht annähernd so oft, wie wir auf Deutsche trafen. Das kann – wie oben beschrieben – super, egal oder nervig sein.

Genug von den Deutschen. Das andere Touri-Thema, dass ich ansprechen möchte ist das Touristen-Verhalten und das Gedränge an Sehenswürdigkeiten. Je nach Jahres- und Tageszeit, werdet Ihr auch an entlegenen Orten nicht alleine sein. Viele der Fotos, die wir gemacht haben, erwischen einen guten Moment oder eine gute Perspektive. Wir waren, auch wenn es so aussieht, nur sehr selten allein. Selbst auf 2.600 Metern Höhe auf dem schneebedeckten Sentinal Pass hatten wir um uns herum zwischen fünf und zehn Leuten mit denen wir die Aussicht teilten.

Erstens: Das ist nicht schlimm. Die illusorische Vorstellung ein Naturwunder immer alleine zu entdecken, ändert nicht viel. Was auch immer Ihr entdeckt, bleibt – sofern es nicht absolut überlaufen ist – trotzdem wunderschön und großartig.

Zweitens: Ihr wollt für Euch alleine sein? Geht erkunden. Macht ein paar Schritte weiter. Klettert etwas höher. Lauft neben dem Pfad. Bleibt trotzdem vor- und umsichtig. Aber was die sprichwörtliche Extrameile auf  Reisen für Euch bereithält, sind neue Perspektiven und einzigartige Momente.

Sprung Sentinal Pass

#EXPLORE – Der ganz besondere Moment ost oft nur einen Sprung entfernt. Geht ihn suchen!

Diese Momente wird Euch niemand vor die Füße legen. Ihr müsst danach suchen.

Go #EXPLORE oder wie Soulcover Clothing es ausdrücken würde:

Fuck boring go exploring

Nicht genug?

Hier geht’s weiter zu den den Tipps und hier zur Route. Oder suchst Du die Packliste?

Andere Fragen? Dann schreibt mir.